Louis Napoléon BONAPARTE

Louis Napoléon BONAPARTE

Prinz Louis Napoleon BONAPARTE war von 1840 bis 1846 Gefangener in der Festung Ham. Mit nachstehenden  Zeilen versuchen wir, diese für die Geschichte Hams sehr besondere Episode zusammenzufassen.

Ein besonderes Schicksal.

Vor einhundertfünfzig Jahren war ein scheinbar anekdotisches Ereignis für jeden Napoleonanhänger von großer Bedeutung. Zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt, sah Napoleon Bonaparte seine Zukunft zerstört. Mit seiner Intelligenz und seinem Mut vermochte er aus sehr ehrenhaften Motiven sein Schicksal durch Flucht zu wenden.

940 Tage später wurde der Gefangene Präsident der zweiten Republik, nach allgemeinem (auf Männer beschränktem) Wahlrecht mit überwältigender Mehrheit gewählt.

Eine klare Vision von seiner Zukunft.

Schon am Tag nach seiner Ankunft in Ham am 9. August 1840 hatte er verkohlte Reste von seinem Kamin genommen, um mit ruhiger und sicherer Hand an die Wand zu schreiben: „Die napoleonische Sache ist die Sache im Interesse des Volks; das ist die europäische Sache; früher oder später wird sie siegen.

Der Journalist Louis Napoleon während seiner Haft.

Während seiner Haft in Ham legte der Prinz Wert darauf, seine Meinung über die aktuellen politischen Probleme zu verbreiten. Seine Artikel wurden in zwei Regionalzeitungen veröffentlicht: „Le Guetteur  (Wächter) de Saint-Quentin“ und vor allem „le Progrès (Fortschritt) du Pas-de-Calais“.

Eleonore Vergeot « das schöne Holzschuhmädchen ».

Eleonore wurde am 3. September 1820 in Estouilly bei Ham als Tochter des Webers Antoine und Marie Louise Camus geboren.

Sie ist ein sehr fröhliches Mädchen, gesund und kräftig, groß und rundlich, mit hellen blauen Augen und kastanienbraunem Haar.  Schon mit 16 besorgt sie bei Madame Renard, der Frau des Pförtners der Festung, den Haushalt und wird von Zeit zu Zeit damit beauftragt, den Gefangenen ihr Essen zu bringen. Es wird auch behauptet, dass sie Zimmermädchen bei Carolin O’Hara, der Maitresse des ebenfalls inhaftierten Monthelon gewesen sei.

Am 25. Mai 1841 (genau fünf Jahre vor der Flucht) gestattet ihr ein Brief des Innenministers, die Wäsche den Prinzen Louis Napoleon durchzusehen und  auszubessern.

Es dauert nicht lange, bis sich eine Liaison entwickelt, und man nimmt sogar an, dass sie in der Wohnung des Prinzen gewohnt hat. Sie brachte das Lachen, die Fröhlichkeit und den Hauch von Freiheit in das Gefängnis. Da ihre Ausbildung sehr vernachlässigt worden war, beginnt Napoleon, sie zu aufzubessern und ihr die Grundlagen der Syntax beizubringen, wie auch…zwei Söhne: am 25. Februar 1843 und am 18. März 1845 entbindet sie in Paris. Später wird Eléonore die Maitresse von Pierre Bure, eines ‘Milchbruders’ des zukünftigen Kaisers, mit dem sie einen Sohn hat und den sie heiratet.

Sie stirbt am 4. August 1886 in der Rue Auber in Vésinet; ihr Haus existiert heute noch.  Die beiden Hamer Söhne erhalten vom Kaiser di Titel Graf von Orx und Graf von Labenne.

Der Ausbruch (26. Mai 1846).

Art und Anlage der Örtlichkeit erlaubten keinen anderen Ausbruch als eine Flucht in Verkleidung an den Wachen vorbei.

Der Prinz stutzte seinen Schnurrbart, setzte eine Schirmmütze auf, zog große Holzschuhe an, lud sich hochkant ein Brett auf die Schulter, das er aus seiner Bibliothek herausgerissen hatte, und verbarg sein Gesicht dahinter.

 

 

Les Prisonniers

Die Gefangenen im Fort von Ham, vor und nach Louis Napoleon.

Davor :
Zwei Tage vor seiner Überstellung nach Ham nach seiner Verhaftung in Boulogne, hätte der Prinz den Karlistengeneral Don Ramon Cabrera treffen können, der am 17. Juli 1840 verhaftet  und am 9. August verlegt worden war.
    Zu Beginn der Julimonarchie hielten sich die letzten Minister von Karl X., darunter Prinz de Polignac, einige Wochen in der Zitadelle auf.
    Ludwig XVIII. hielt dort den Marschal Moncey und ebenfalls den Kapitän der traurig berühmten Fregatte, Herrn Duroi de Chaumareix gefangen.

Danach
Nach der Auflösung der Nationalversammlung am 2. Dezember 1851, waren die Generäle Cavaignac, Changarnier nd La Moricière einige Tage in Ham gefangen ebenso wie andere Deputierte wie der hitzige Oberst Charras.
Am 10. Februar 1848 beherbergte das Fort den Araberführer, den man Bou Maza nannte und der sich am 13. April 1847 zu Oberst de Saint-Arnaud begeben hatte. Mit Blick auf die kommende Freilassung von Abd-el-Kader in Amboise am 16. Oktober 1852, erleichterte der Prinz-Präsident bei seinem Besuch in Ham am 22. Juli 1849 Bou Mazas Gefangenschaft, indem er ihm gestattete, in der Stadt zu wohnen, und ließ ihn endgültig im Jahr 1854 frei.

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